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Deutsche Limeskommission

Deutsche Limeskommission

34. Kastell Osterburken

Stadt Osterburken, Neckar-Odenwald-Kreis

Stadt Osterburken, Neckar-Odenwald-Kreis. Stadtzentrum, Lage der ursprünglich zwei Kastelle und zentraler Bereich des VICUS. Blick von Norden. Bild unten - Konservierte Mauern und Gräben des Kastells.

Der Garnisonsort der Cohors III Aquitanorum am südlichen Talrand bzw. -hang bestand nach Ausweis dendrochronologischer Daten seit den frühen 60er Jahren des 2. Jahrhunderts, ein Annexkastell wurde zwischen 185 und 192 n. Chr. an das bestehende Kastell angefügt.

Das Kohortenkastell wurde vermutlich direkt als Steinbau errichtet, Hinweise auf einen hölzernen Vorgänger gibt es nicht. Es hatte eine Größe von 186 x 115 m (2,14 ha). Die Kastellmauer mit vier Toren, Ecktürme und ein 7 m breiter Graben umgaben den Innenbereich, von dem nur wenige Teile des Verwaltungsgebäudes (principia) sowie Mauerreste eines vermuteten Speicherbaus bekannt sind. Weitere Baubefunde sind nicht vorhanden. Als Besatzung des Kastells ist die Cohors III Aquitanorum Civium Romanorum equitata belegt.

Im gegen Ende des 2. Jahrhunderts errichteten Annexkastell war der Numerus Brittonum Elantiensium stationiert. Der Annex wurde an die Südseite des Kohortenkastells angebaut und hatte eine unregelmäßige Form, die etwa 1,35 ha Innenfläche ergab. Der Annex besaß drei Tore, mehrere Türme und Geschützplattformen. Eine Innenbebauung ist bisher nicht bekannt.

Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird Osterburken als Ort mit römischen Überresten genannt, die erste Erwähnung findet sich bei Ernst Christian Hansselmann. Erste kleine Grabungen fanden bereits 1838 durch Pfarrer Wilhelmi aus Sinsheim statt, während umfangreichere Untersuchungen der Mannheimer Geschichtsverein 1867 durchführte. Die Reichs-Limeskommission führte dann die erste systematische Untersuchung durch, die uns Aufschluss über die Größe der beiden Kastelle gibt. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fanden nur noch kleinere Beobachtungen im römischen Osterburken statt, wonach ab den 70er Jahren größere Grabungen u.a. zur Entdeckung zweier nördlich des Kastells gelegener Badegebäude (1973 und 1976) und eines umfangreich erhaltenen Benefiziarier-Weihebezirks (1982-1984) führten.

Das Areal des archäologischen Denkmals liegt im westlichen Stadtbereich von Osterburken. Das Kohortenkastell ist größtenteils durch Einfamilienhäuser mit Gärten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts überbaut, die alle archäologischen Befunde weitgehend unbeobachtet zerstörten. Dagegen wurde die Umfassungsmauer des Annexkastells nach der Arbeit der Reichs-Limeskommission konserviert und das Areal als Parkanlage eingerichtet, die sich heute in Landesbesitz befindet. Die Zivilsiedlung liegt vornehmlich nordöstlich des Kastells unter der mittelalterlichen Stadt und lockerer moderner Bebauung, Teile davon inklusive eines größeren Gräberfeldes finden sich aber auch wohl auf der anderen Kirnauseite.

 

 

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