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Deutsche Limeskommission

Deutsche Limeskommission

20. Kastell Echzell

Gemeinde Echzell, Wetteraukreis

Gemeinde Echzell, Wetteraukreis. Westliche Mauern und Straßen die vom Tor weggehen.

Mit 5,2 ha Fläche (248 x 208 m) gehörte das Kastell Echzell zu den größten Kastellen am Obergermanisch-Raetischen Limes. Es ist vermutlich im ausgehenden 1. Jahrhundert n.Chr. am Ende der Regierung des Kaisers Domitian als Holz-Erde-Kastell entstanden. Sicher nachgewiesen ist es jedoch erst ab etwa 110 n. Chr., als die Ala I Flavia Gemina aus Nida/Heddernheim hierher verlegt wurde. Aufgrund der Größe des Kastells ist die Belegung mit einer weiteren Einheit möglich. Das Kastell bestand mindestens bis 233 n. Chr., vielleicht auch bis zum Ende des Limes. Von den Innenbauten sind die principia (Stabsgebäude) und mehrere Mannschaftsbaracken bekannt.

Auf allen Seiten des Kastells sind Siedlungsspuren nachgewiesen, der Schwerpunkt lag allerdings im Süden des Kastells. Die vier Kastelltore und die Vicusbereiche waren durch eine Ringstraße um das Kastell herum miteinander verbunden.

50 m östlich des Kastells befindet sich eine große Badeanlage, mit rund 50 m Länge gehört es zu den größten am Obergermanisch-Raetischen Limes. Bei dem Bad befand sich ein anderer großer Steinbau, vermutlich eine mansio (Unterkunftshaus). Im Nordwesten des Lagers fällt ein großes hofartiges, ummauertes Areal auf, es wird als Gutshof oder als Stallungen für die Pferde der Soldaten gedeutet. Südlich vom Lagerdorf ist ein großflächiges Gräberfeld lokalisiert worden.

Das Kastell Echzell ist auch wegen der Wandmalereien, die man im Kopfbau einer Mannschaftsbaracke gefunden hat, bekannt geworden. Dargestellt sind Szenen aus der griechisch-römischen Mythologie, sie sind auf der Saalburg rekonstruiert zu sehen.

Die Grabung der Reichs-Limeskommission 1897 erbrachte den Nachweis für das Kastell. Das Saalburgmuseum hat 1958 sowie 1962 bis 1965 im Kastell gegraben und die Baugeschichte des Kastells untersucht. Die einzige größere Fläche im Lagerdorf wurde 1990 bis 1992 sowie 1996 von der Kreisarchäologie des Wetteraukreises vor dem Südtor des Kastells ausgegraben. Geophysikalische Messungen 2008 sind die bisher letzten archäologischen Untersuchungen vor Ort.

Die Südwestfront des Kastells ist überbaut. Ansonsten liegen die Flächen hauptsächlich im Bereich von Gärten und nur wenige in Wiesen und Äckern. Das Lagerdorf ist im Nordwesten und Nordosten nicht bebaut, der Bereich des Gräberfeldes im Süden durch Braunkohleabbau weitgehend zerstört.

Von dem Kastell ist nichts mehr zu sehen. Abgesehen vom Bad gilt das auch für das Lagerdorf. Die Kirche von Echzell wurde weitgehend auf den Fundamenten des Bades errichtet. In einem Keller unter der Kirche sind Mauern zu sehen, weitere Mauerzüge aus dem Bereich des Bades, der nicht überbaut ist, wurden auf dem Platz vor der Kirche durch Steinpflaster markiert.

 

Das Kastellbad rund um die Kirche

 

 

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