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Deutsche Limeskommission

Deutsche Limeskommission

33. Kastell Walldürn

Stadt Walldürn, Neckar-Odenwald-Kreis

Stadt Walldürn, Neckar-Odenwald-Kreis. Standort des Kastells und des VICUS, Ansicht von Norden. Bild unten - konservierte Kastellbäder

Das Kastell wurde vermutlich in der Mitte des 2. Jahrhunderts als Garnisonsort einer unbekannten Einheit von der Größe eines numerus (etwa 160 Mann) erbaut. Als Einheiten kommen die auf einer Inschrift aus dem Badegebäude genannten Einheiten Exploratores Stu[…], Brittones gentiles oder dediticii Alexandriani in Frage. Das 0,8 ha große Kastell mit rechteckigem Grundriss von ca. 96,5 x 84,3 m war von einer steinernen Umfassungsmauer umgeben, der ein Graben vorgelagert war. Unter der Mauer fanden sich Reste eines weiteren umlaufenden Grabens, die auf eine frühere Bauphase schließen lassen. Vier Tordurchfahrten in der Mitte der Seiten wiesen bis auf das Osttor keine nachweisbaren Torkonstruktionen auf. Von der Innenbebauung sind bis auf wenige vereinzelte Pfostenlöcher bisher keine Spuren bekannt. Das Kastell wurde schon im 18. Jahrhundert von E. Chr. Hansselmann erwähnt und bereits im frühen 19. Jahrhundert durch kleinere Grabungen untersucht. Die Reichs-Limeskommission untersuchte recht umfangreich Kastell und Badegebäude. 1972 und 1973 wurde das Kastellbad erneut ausgegraben und im Anschluss daran konserviert. In den 70er Jahren gelangte das Kastellareal als eines der ersten archäologischen Denkmäler Baden-Württembergs in öffentlichen Besitz. In den Jahren 1982 und 1983 fand im Vicusareal nördlich des Kastells eine kleinere Grabung zur Klärung der durch die landwirtschaftliche Nutzung stark bedrohten Befunderhaltung statt. Dabei wurden mehrere Hausgrundrisse und Parzelleneinteilungen entdeckt. Im Jahr 2001 wurde das Kastellgelände geophysikalisch untersucht.

Das Areal des archäologischen Denkmals liegt heute in der landwirtschaftlich genutzten Umgebung östlich der Stadt Walldürn. Das Kastellareal selbst ist heute als Wiesenareal genutzt, während das Gebiet des U-förmig um das Kastell liegenden vicus weiterhin landwirtschaftlicher Nutzung unterzogen wird. Vom Badegebäude sind die Grundmauern konserviert und als kleine Freilichtanlage zu besichtigen.

 

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